Bielefeld - echt was für großstädtische Waldmenschen

kreisfreie Großstadt (seit 1930) mit ca. 329.700 EW (2004) auf 258 km² in 118 m ü. NN, wo der Teutoburger Wald bereits seinen Fuß ins südliche Stadtgebiet setzt. Ein wichtiger Zugang zum Gebirge ist der Bielefelder Pass, der auch für die Stadtgründung nahe am Hellweg bedeutsam war.
In den Norden der Stadt reicht das flache Ravensberger Hügelland mit Feldern, Wiesen, und Bächen. Wildester Fluss im Stadtgebiet aber ist die Aa..

1015 wurde Bielefeld, die Bauernsiedlung auf einer Feldflur mit steilem Fels ("biele") Flur, erstmals urkundlich erwähnt. als "Biliuelde".
1214 Stadtrecht verliehen vom Ravensberger Grafen Hermann IV. Die Neugründung nahe wichtiger Handelswege wurde dann durch Mauern, Wassergräben und Stadttore geschützt. Die Burg auf dem Sparenberg - 1256 urkundlich erwähnt - wurde in dieser Zeit weiter befestigt, auch später mehrfach ausgebaut und erweitet und niemals erobert und erfüllte damit ihre Aufgabe - Schutz der Stadt und Kontrolle der Wegenge zum Teutoburger Wald.
Anfang des 14. Jh. erwirkten die Bielefelder Stände Privilegien zur Herstellung von Leinen und erwarben sich damit gediegenen Wohlstand. Die Altstadt wurde früh erweitert, erhielt bald eine Neustadt (um 1317?). Die Vereinigung beider Städte erfolgte 1520(?). Auc nach der Zusammenlegung beider Städte es noch bis 1831 zwei Bürgermeister, dazu ab 1609 auch doppelte Landesherrschaft von Pfalz-Neuburg und Brandenburg (bis 1647), später Königreich Westfalen, Preußen...

Im 16. Jh. wuchs Bielefeld zu einem Zentrum der Leinenindustrie, seit 1830 in Folge von Industrialisierung und Einführung der Baumwolle allmählich Niedergang. Ab 1850 gab es durch industrielle Leinenverarbeitung (Ravensberger Spinnerei) einen erneuten Aufschwung in diversen Zweigen der Textil- und Maschinenindustrie. Die Ravensberger Spinnerei (1855/57 erbaut) war im 19. Jh. die größte Flachsspinnerei Europas.
Heute ist Bielefeld vor allem Standort der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der Druck- und Bekleidungsindustrie, und wichtiger Bildungsort mit Universität (1969) und Fachhochschule.

sehenswerte historische Altstadt
Bielefeld, Altes Rathaus © BildPix.de

[A] Alter Markt mit Merkurbrunnen, schönes Ensemble aus zahlreichen Giebelbauten, vorwiegend Patrizierhäuser aus dem 15./16. Jh., z.B. das Crüwell-Haus (1530) mit gotischem Giebel und 7.000 Delfter Kacheln in Flur und Treppenhaus.

Altes Rathaus (1901/04), Neurenaissance, Giebel ursprünglich mit verkleinerter Nachbildung des Hermannsdenkmals bekrönt. Verwaltung überwiegend im benachbarten Neuen Rathaus [R] untergebracht.


Bielefeld, Theater © fotobeam.de

[T] Stadttheater (1914) mit bemerkenswerter Jugendstilfassade bildet baulich eine Einheit mit dem Rathaus.
Bielefeld, Stadtplan der Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt

[1] Altstädter Nicolaikirche: ursprünglich gotische Hallenkirche (1340), im Zweiten Weltkrieg zerstört, später modern wiederaufgebaut, am Portal romanisches Bronzerelief. Antwerpener Schnitzaltar mit über 250 Figuren. Am Altstädter Kirchplatz steht das Leineweberdenkmal, eine Brunnenanlage (1909)

[2] St. Jodokuskirche: einschiffig, spätgotisch, ehemals Franziskanerkirche. Im Inneren Schwarze Madonna von 1220, Holzplastik des Heiligen Jodokus, Ikonenwand von Saweljew (1962).
[3] Waldhof: ehemals Patrizierhof, Spätrenaissance, beherbergt das gleichnamige Museum, Gemäldeausstellungen. Südlich davon der Grestsche Hof, Patrizierpalais, 16. Jh., Erker und Treppenturm.
[4] Kunsthalle, Richard-Kaselowski-Haus: von Philip Johnson 1968 fertiggestellt, ständige Sammlung modemer Kunst, Wechselausstellungen.
[5] Neustädter Marienkirche: dreischiffige Hallenkirche, zwei Türme, sehenswerte Innenausstattung, Flügelaltar, Grabdenkmäler. Westlich anschließend Spiegels Hof, Adelshof um 1540, beherbergt das Naturkundemuseum.
[6] Sparrenburg: erbaut 1240 bis 1250, Wahrzeichen der Stadt, erhalten gotisches Eingangstor, Burgfried (wiederaufgebaut 1842), vier Bastionen, Scherpentiener.
[7] Musik- und Kunstschule

weiterhin:
- Hauptbahnhof (1910), Jugendstil
- Pfarrkirche Schildersche: einschiffig, hochgotisch, spätgotischer Schnitzaltar, Sakramentshäuschen, Wandgemälde des Heiligen Christophorus.
- Ravensberger Spinnerei (1855/57), "Industrieschloss" im Tudorstil, heute Historisches Museum mit Schwerpunkt Industriezeitalter, Direktorenvilla mit Kunstgewerbesammlung der Stiftung Huelsmann, 16. bis 19. Jh.
- Bethel, Stadtteil Gadderbaum: Krankenhauskomplex, gegründet von Friedrich von Bodelschwingh, mit historischer Sammlung Bethel.
Grestscher Hof - Adelshof (16. Jh.), heute zum Teil Ratsgymnasium
Spiegelshof - ehemaliger Adelshof im Stil der Frührenaissance mit Radzinnengiebeln, heute Naturkundesmuseum.

museal:
ruhig
event:
persönlich

Um 1890 experimentierte Apotheker Oetker mit Plverchen und kreirte sein Backpulver.

universell:

Uni Bielefeld
FH Bielefeld
FHM Bielefeld
BIB - Bildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe, der IT-Ausbilder

Stadtteile/Eingemeindung
Bielefeld Stadtteile

Altenhagen Babenhausen Baumheide Bethel Brake Brackwede Brönninghausen Dalbke Deppendorf Gadderbaum Gellershagen Gräfinghagen Großdornberg Heepen Hillegossen Hoberge-Uerentrup
Holtkamp Innenstadt Jöllenbeck Kirchdornberg Lämershagen Milse Niederdornberg Oldentrup Quelle Schildesche Schröttinghausen Senne

Brake - im tiefen Tal der Aa
Brackwede - 1956 zur Stadt erhoben

Gadderbaum

mit Sparrenburg (1900) - Festung Sparrenberg, Baudenkmal und Wahrzeichen der Stadt, wurde 1240 - 1250 von Graf Ludwig von Ravensburg erbaut. Hoch hinaus oder tief sinken? Ein 37 m hohen Burgturm sowie unterirdische Gänge, recht verführerisch.
Industrie-Stadtbezirk am Bielefelder Pass (1973 eingemeindet).

Lämershagen-Gräfinghagen

höchster Punkt auf 320 m ü. NN im Stadtgebiet)

Sennestadt

Satellitenstadt (1965, Architekt: Hans Bernhard Reichow) in der Senne, dem sandigen Heideland im Süden (1973/74 eingemeindet)