Münster - Universitätsstadt mit viel Barock

Stadt mit rund 265.000 EW (2002), zumeist so genannte Stockwestfalen, gelegen an der Aa und um den Aasee, jede Menge Barock vor allem von Johann Conrad Schlaun, darunter das prächtiges spätbarocke Stadtschloss. Und außerordentliche Lebensqualität mit Kunst und Wissenschaft.

geschichtlich

Zwar siedelten schon Jahrhunderte Franken im Gebiet, doch 793 kam der Friese Liudger im Auftrag Karls des Großen an die Aa und gründete das Kloster Monasterium: Davon ist der Ortsname Münster hergeleitet. 797 gründete der eifrig fleißige Liudger auch eine Domschule, das heutigen Paulinum. 805 wurde Münster Bistum und Liudger wurde Münsters erster Bischof. Rasch wurde Münster zur Domstadt, hatte nach dem St. Paulus Dom (1090) bald weitere Dome.

1121 zerstörte Herzog Lothar von Sachsen Münster. Danach wurde mit der Ansiedlung von Kaufleuten der Ort verstärkt besiedelt.
1170 erhielt Münster Stadtrechte und wuchs zur bedeutenden Hansestadt mit fast 10.000 EW.
1253 Städtebündnis zwischen Münster, Dortmund, Soest und Lippstadt gegen die Willkür der Landesherren.

Die Geschichte der Stadt war lange durch den Zwiespalt aus kirchlicher Macht und weltlichen Kräften und innerhalb kirchlicher Strömungen belastet. Wer trieb hier tatsächlich bis 1534 sein Unwesen: Vertreter des Reiches der Täufer oder Fürstbischofs Franz von Waldeck?
1655 schloss Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen mit den Bürgern seiner Landeshauptstadt Münster auf der Burg Schöneflieth den Schöneflieth'schen Vergleich, der eine Teilautonomie der Stadt gegenüber der fürstbischöflichen Herrschaft zusicherte. Diese endete bereits 1661 mit der Eroberung der Stadt Münster durch den Kanonenbischof von Galen.

Im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) stand das Fürstbistum Münster auf Seiten der Kaiserin Maria Theresia und gegen Österreich, Preußen und deren verbündete in Frankreich und Hannover. Münster wurde mehrfach belagert und erobert, das Martiniviertel [6] völlig zerstört. 1764 wurde die Befestigung geschliffen. An deren Stelle entstand eine vierreihige Lindenpromenade, die noch heute die Altstadt umfängt. Aus Kanonengraben, Engelen- und Kreuzschanze wurden Parkanlagen. Und auf dem Gelände der Zitadelle entstand das Schloss.

1803 wurde Münster durch Preußen (Blücher), 1806 durch Napoleon besetzt und bald bis 1813 Teil des Kaiserreichs Frankreich, dann 1816 Hauptstadt der neuen Provinz Westfalen unter widerwillig angenommener preußischer Herrschaft. Erst 1842 empfing die Stadt mit Friedrich Wilhelm IV. einen preußischen Herrscher. In dieser Zeit deutete sich die Industrialisierung bereits an:
1848 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz, 1854 Gasanstalt, 1878 erste Kanalisation, 1880 Wasserwerk, 1887 erste Telefonanschlüsse, 1899 Dortmund-Ems-Kanal - Münster wird Hafenstadt, wächst, sprengt die alten Stadtgrenzen.
Seit 1915 ist Münster Großstadt.

Das 20. Jh. brachte mehrere Staatsformen, 2 Weltkriege, Vernichtung, Widerstand und niederschmetternde Ergebnisse.
Am 2.4.1945 besetzten britische und amerikanische Truppen eine der am schwersten zerstörten Großstädte: Stadtkern zu über 91 Prozent, Gesamtstadt zu 63 Prozent ausradiert.

Wiederaufbau und Neuordnung
Münsterland - Backsteinhöfe, Wasserburgen und kleine Schlösser wohlverteilt in weiträumiger Parklandschaft

1949 wurde ein Wiederaufbau der Altstadt nach traditionellen Muster festgelegt, was der Stadt viel Häme einbrachte. Viele historischen Gebäude wurden neu aufgebaut. Eine autogerechten Stadt stand zunächst kaum im Fokus.

Günstig war der spannende Kontrast der Stadt zum verbleibenden typisch münsterländischem Umfeld mit Bauernhäusern aus Backstein.

universell
1773 wurde hier die erste Universität in NRW gegründet. Unter preußischer Herrschaft wurde 1818 nur eine Theologisch-Philosophische Akademie weitergeführt. 1902 aber - und das ist der Knaller! - stiftete Kaiser Wilhelm II. als König von Preußen die bereits vorhandene Universität Münster, indem sie sich fortan "Westfälische Wilhelms-Universität" nennen durfte. Darum bat die Stadt ausdrücklich, wer immer auch damals die Stadt war. Die Uni wurde um eine Juristische Fakultät erweitert, weitere Fakultäten folgten. 1926 wurden die Universitätskliniken fertiggestellt. 1969 folgte der schrittweise Erweiterung der Universitätsanlagen. In den 1970ern entstand das Naturwissenschaftliche Zentrum und das Großklinikum..
Nicht unerwähnt bleiben sollte die Fachhochschule Münster/Steinfurt.

sehenswerte Innenstadt:
Rathaus von Münster in NRW, detailgetreu gotisch wieder aufgebaut

[R] Rathaus am Prinzipalmarkt (um 1350), gotischer Giebel. Im Friedenssaal fanden 1648 Verhandlungen und Vertragsunterzeichnungen statt, die zum Westfälischen Frieden führten und damit den 30jährigen Krieg beendeten. Der evangelischer Vertragsteil wurde im Rathaus zu Osnabrück geschlossen.

[1] Dom (12./16. Jh.), astronomische Uhr (1560), Domplatz
[2] Die Rothenburg liegt im Süden der ehemaligen Domburg, wo sich heute eine umfänglicher Museenkomplex mit ausbreitet. Berühmt ist das Picasso-Museum mit rund 800 Lithografien des Künstlers.

[3] Petrikirche, durch Universität und Institutseinrichtungen ab 1969 weiträumig umbaut


Münster Schloss © Herbert Esser

[4] Stadtpalais Erbdrostenhof des Droste zu Vischering:
dreiflügeliger Adelshof (1753/57), meisterhafter Barock von Johann Conrad Schlaun. Der Festsaal reicht über zwei Etagen und durch den ganzen Mittelbau. Er ist ist mit illusionistischer Freskenmalerei versehen (N. Loder).

Foto: © Herbert Esser fotolia.com
Sehenswertes und Markantes in der Innenstadt von Münster in Westfalen

[5] Kirche St. Lamberti. Oberhalb der Turmuhr hängen drei schmiedeeiserne Täuferkäfige
[6] Stadttheater (1956), erster moderner Großbau in der Altstadt kontrastreich zwischen den mittelalterlichen Kirchen St. Martini und Apostelkirche. Das sorgte sogar international für Aufsehen. Die "Times" sprach von einem "modernen Märchenschloss", andere von einem Donnerschlag, realisiert durch das Architektenteam Deilmann - von Hausen - Rave - Ruhnau.
Im Innenhof konservierte Reste des Rombergschen Adelshofs.
[7] Stadtmuseum, alte Salzstraße / Winkelstraße
[8] Synagoge

[9] An der Königsstraße standen einst zehn Adelshöfe. Der Druffelsche Hof (1784 - 1788) ist als letzter vorhanden. Sehenswert ist die Backsteinfassade (1583) am Giebelhaus im Einmündungsbereich der Königsstraße.

[10] Buddenturm am Zwinger

der Aasee in Münster, ein kunstvoll natürlicher VolltrefferAasee: 1868 Planung (Prof. Landois), 1928 Beginn der Bauarbeiten. Aa war ja schon da und musste nur etwas gebändigt werden. 1875 erhielt Münster - initiiert von dem Zoologieprofessor und Original Hermann Landois - den ersten Zoo Westfalens. 1928 wurde er mit dem Aasee innerstädtisches Naherholungsgebiet. Anfang der 70er Jahre wurde der See auf das Doppelte (39,5 ha) vergrößert, danach wurden Freilichtmuseum Mühlenhof, Allwetterzoo (1974 Sentruper Höhe) und Naturkundemuseum mit Planetarium entwickelt.

Skulptur-Ausstellung
seit 1977 entwickelt sich Münster zur Stadt mit den meisten modernen Skulpturen im Stadtbild (derzeit über 60 Arbeiten). Im Abstand von 10 Jahren gibt es Ausstellungen im Freien, wobei dann stets Exponate an exponierten Standorten verbleiben.

Stadtteile/Eingemeindung
Münster in Westfalen, Stadtteile

1875 werden Teile der Umlandgemeinden Lamberti, St. Mauritz und Überwasser (um die Liebfrauenkirche) einverleibt, 1903 die Restgemeinden.
1975 wurden weitere Gemeinden nach Münster eingegliedert. Heute gehören zur Stadt:
Aasseestadt, Albachten, Amelsbüren, Angelmodde
Berg Fidel,
Corde, Geist, Gelmer, Gievenbeck (Neubebauung in den 1980er Jahren), Gremmendorf, Hafen, Handorf, Hiltrup, Kinderhaus, Mauritz, Mecklenbeck, Nienberge, Roxel, Sentrup, Sprakel, Wienburg, Wolbeck


Stadtteil Nienberge

Wasserschloss in Münster-Nienberge,  Geburtort der vielsagenden Dichterin Anette von Droste-Hülshoff

Haus Hülshoff, das an der 100-Schlösser-Route gelegene Wasserschloss, von Schlaun gebaut und mit einem Barockgarten ausgestattet, war Geburtsort der Dichterin Anette von Droste-Hülshoff (1797) und ist Droste-Gedenkstätte.

Fotos: Presseamt Stadt Münster