Eisenach - mehr als nur erholsame Stadt

mit 45.000 EW 2002; 50.000 um 1980; 208m ü.NN. am Nordwestrand des Thüringer Waldes, unterhalb des Zusammenlusses von Nesse und Hörsel, in wechslungsreicher Berglandschaft, umschlossen von Laub- und NadelWäldern.

Geschichte

Im Jahre 1150 erstmals urkundlich erwähnt, entwickelte sich das von den Ludowingern gegründete Isenache bald zum politischen und auch geistigen Zentrum der damals weiträumigen Landgrafschaft Thüringen. Da die Ludowinger schließlich eines der führenden deutschen Herrschergeschlechter des vollentwickelten deutschen Feudalismus wurden, spielte ihr Hof und damit die Wartburg eine herausragende kulturelle Rolle. Dichter der staufischen Klassik wie Walter von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach und Heinrich von Veldeke waren um 1200 häufig zu Gast, und verschiedene ihrer Werke sind am Thüringer Landgrafenhof entstanden. Mit dem Herrschaftswechsel im Ergebnis des Thüringischen Erbfolgekrieges (1248/1268), in dem sich schließlich Markgraf Heinrich von Meißen (Wettiner) behauptete, rückten Stadt und Burg an den Westrand der neuen Landesherrschaft und verloren an politischer Bedeutung.
1283 erhielt Eisenach die Stadtrechte verliehen. Zahlreiche Kriege und Auseinandersetzungen der konkurrierenden Thüringer Feudalherren mit dem Reich und den neuen Landesherren, Stadtbrände, Pestseuchen ließen Eisenachs Bedeutung weiter sinken. Die Entwicklung der Stadt stagnierte alsbald für Jahrhunderte.

1497 kam Martin Luther als Lateinschüler nach Eisenach. 1521 kehrte er als "Gefangener" Junker Jörg zurück, übersetzte das Neue Testament aus dem Griechischen, aß das Brot Gottes, nicht das der Bauern. Vielleicht sah er kauend zu, als rebellische Bauern am 11.5.1525 vor der St.-Georgs-Kirche hingerichtet wurden? Ein weißes Kreuz in der Pflasterung erinnert daran.

Mitte des 16. Jh. erlebte Eisenach einen Aufschwung durch Handel, Handwerk und Kupferbergbau.
1596 wurde die Stadt Residenz eines kleinen absolutistischen Herzogtums.
1741 fiel Eisenach als zweite Residenz an Sachsen-Weimar. Deshalb auch das 1742 erbauten Stadtschloss. Gleichzeitig konnte sich das kulturelle Leben wieder entwickeln. Zahlreiche bekannte Komponisten, wie Pachelbel, Birkenstock, Eberlin, Telemann und Hebenstreit, wirkten hier, dazu von der Thüringer Musikerfamilie Bach: Johann Christoph (ab 1665) und Johann Ambrosius (seit 1671), dessen siebentes Kind, Johann Sebastian, wurde hier am 21.3.1685 geboren.

Der Weimarer Hof residierte des öfteren im 1742/45 erbauten neuen Stadtschloss (schöner Rokokosaal) an der Nordseite des Marktes. Das unter der Schirmherrschaft der Herzogin Anna Amalia in Weimar lebhaft pulsierende Geistesleben wirkte auf Eisenach, indem Wieland, Klopstock und Goethe diese Stadt und ihre reizvolle Umgebung gern aufsuchten und in ihren Dichtungen besangen. Charlotte von Stein und Luise von Göchhausen (erhielt den Urfaust in einer Abschrift der Nachwelt) wurden in Eisenach geboren.

Zwischen dem Siebenjährigen Krieg und den napoleonischen Kriegen zogen etwa eine Million Soldaten durch Eisenach - dagegen war lange kein Kraut mehr gewachsen.
Am 17.10.1817 gab es ein nationales Ereignis - das Wartburgfest. Studenten zogen auf zur Burg, um die Stimme für nationalen Fortschritt zu erheben. Wirklich wichtige Demos wurden nie angemeldet.

1847 kam die Thüringer Eisenbahn von Weimar über Gotha nach Eisenach und beförderte die schnelle Entwicklung zur Industriestadt: Eisen-, Metall-, Maschinen-, Textil-, Elektro- und Holzindustrie. Villenviertel und Hotels. Wirtschaftsmotor dann die 1896 geschaffene Fahrzeugfabrik AG. Zu DDR-Zeiten war der Wartburg Tourist der Renner. Jetzt ist das für die Region der Opel.

1869 war hier der Gründungskongress der SPD.

sehenswerte Innenstadt

[R] städtischen Weinkeller (1636), spätgotischer Kern, Renaissance. Weil hierin die Eisenacher Räte gern arbeiteten, bestimmten sie es zum Rathaus.
[M] Marktplatz, Marktbrunnen (1549)
[m] Automobilbaumuseum mit allen in der Autostadt gebauten Modellen

Eisenacher Markteck mit Rathaus und Sankt-Georg-Brunnen

[1] Kirche St. Georg, mehrfach umgebaut, spätgotische Hallenkirche (14./16.Jh.), Westturm (1900), Kanzel, Emporen, steinernes Bildnis Ludwig des Springers.
Vor dem Westportal der Georgenbrunnen (1549). Ein weißes Kreuz in den Steinen davor markiert die Stelle, an der aufständige Bauernführer 1525 hingerichtet wurden.
Schloss am Eisenacher Markt[2] Residenzhaus (links): Teil eines heute verschwundenen Schlosses aus der ersten Hälfte des 16. Jh.

[3] Lutherhaus, in dem Martin Luther als Lateinschüler (1498 bis 1501) wohnte. Es ist eines der schönsten und ältesten Bürgerhäuser, Fachwerkbau, teilweise aus dem 15. Jh.. Nach dem Weltkrieg wieder aufgebaut, beherbergt es heute ein Museum mit Drucken und geistlichen Büchern des 16. Jh. und mit Möbeln aus jener Zeit.

[4] Bachhaus, Frauenplan 21, Geburtshaus(?) von Johann Sebastian Bach (geb. 1685) und ist heute Museum zu Ehren des Komponisten mit großer Instrumentensammlung.
Eisenach: Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt

[5] Reutervilla: Wohnhaus des niederdeutschen Dichters Fritz Reuter, Neurenaissance von 1867, letzte Wohnstätte des Dichters Fritz Reuter (gest. 1874 in Eisenach), heute Reuter-Gedenkstätte mit vier original Zimmern. In der Villabefindet sich auch eine Sammlung zu Richard Wagner (Oesterleinsche Sammlung).
[6] Kirche
[7] Predigerkirche: frühgotisch, Krypta spätromanisch. Beherbergt die Skulpturensammlung des Thüringer Museums, vor allem Werke aus dem Mittelalter
Eisenach: Fachwerkhaus Zum Rodensteiner

[8] Stadtschloss (1742/51), Barock, Rokokosaal, heute Thüringer Museum des Kunstgewerbes mit Gläsern, Porzellan, Gemälden und einer Apotheke aus dem Jahr 1740
[9] Kirche
[10] Nikolaikirche: spätromanisch, dreischiffig, Altar spätgotisch
[11] Nikolaitor, spätromanisch - das letzte der fünf Stadttore

Die ehemalige Weinschänke Zum Rodensteiner am Markt erhielt ihr heutiges Erscheinungsbild Anfang des 17. Jh. Der trinkfeste Ritter Rodensteiner erzog brave Bürger zu wackeren Zechern und sogar Minnesängern.
Eisenach am Markt: aufwendiges Fachwerk

Fachwerkbauten, viele aus dem 16. Jh., speziell am Markt, auch die Ratsapotheke (Karlstr.1) und das Bohlsche Haus (Goldschmiedestr. 1).


Burschenschaftsdenkmal
Burschenschaftsdenkmal (1902)

ansehnlich:
großes, gut erhaltenes Villenviertel der Gründerzeit

gebaut nach 1954:
Neubaugebiet Stedtfelder Straße für 5.000 EW, ab 1980 im Norden Neubaugebiet für damals etwa 12.000 Menschen.


event:
Wartburg

Rund 410 m hoch liegt auf dem Wartberg die bedeutungsschwere Wartburg. Graf Ludwig der Springer soll sie der Sage nach 1067 als unbedeutende Befestigungsanlage gegründet haben. Um 1170 wurde das repräsentative Landgrafenhaus geschaffen, ein Kleinod spätromanischer Profanbaukunst. Breits 1200 fand hier der berühmte Sängerkrieg statt.
Auch durch die Landgräfin Elisabeth (1207-1231), mit einem Leben in Demut und Armut gegen das feudalhöfische Treiben protestierend, brachte den Namen der Burg in die Tagespresse des 13. Jh..
Im 16. Jh. begann das Bauwerk zu zerfallen (nach 300 Jahren!) und im 19. Jh. wurde es restauriert und erhielt auch der Form nach neuen Schliff. Moritz v. Schwind versah 1854/55 mehrere Räume des Landgrafenhauses mit hübschen Fresken.
Der Bergfried wurde erst um 1866 hinzugefgt.
Zeit lassen für das Landgrafenhaus mit seiner prächtigen Westfassade, den kreuzgewölbte Rittersaal, die Elisabeth-Kemenate, die kreuzgewölbte Kapelle, die Elisabeth-Galerie, den Sängersaal, das Landgrafenzimmer, den Palas sowie die Museumsräume der Neuen Kemenate. Cranachs und Luthers, naja.
Bekannte Dichter und Musiker des 19. Jh., wie Bechstein, Scheffel (Der Trompeter von Säckingen - war echt ein Dauerbrenner), Wagner (Tannhäuser) und Liszt, machten die Burg zum künstlerischer Mittelpunkt. Die Fachwerkbauten im ersten Burghof stammen noch dem 15. und 16. Jh.

ruhig
Stadtteile/Eingemeindung

Am Petersberg
Eisenach-Nord
Kernstadt ...

Orte im Stadtgebiet von Eisenach in Thüringen

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