Sindelfingen

Foto: Webcam der Stadt Sindelfingen

Foto: Webcam der Stadt Sindelfingen

Große Kreisstadt (seit 1962) mit rund 50.800 EW (2007)

Unterhalb des Goldbergs bestand eine römische Siedlung, an deren Stelle später Alemannen siedelten.
Im 11. Jh. wurde hier ein Chorherrenstift gegründet, in deren Zentrum noch heute das somit älteste Gebäude der Stadt steht, die Martinskirche.

1155 wurde Sindelfingen erstmals urkundlich erwähnt als "Sindelvinga“.
1263 Stadtgründung durch Graf Rudolf von Tübingen südlich des wohlhabenden Stifts.
1263 Sindelfingen die verliehen.

Zur finanziellen und persönlichen Ausstattung ihrer neugegründeten Universität verlegten Graf Eberhard und seine Mutter Mechthild das Stift 1477 nach Tübingen. Obwohl der Graf ausgleichend in Sindelfingen ein Augustinerstift gründete, war der Weggang für Sindelfingen ein derber Verlust.

Im 16. und 17. Jh. kam durch Verhör, Folter und Bestrafung der Hexerei Angeklagter fast jede 50. Frau in Sindelfingen zu Tode. Als fanatischster Hexenjäger zeichnete sich Vogt Wendel von Maur in seine Amtszeit (1600/16) aus.

Der Dreißigjährige Krieg schwächte Stadt und Bevölkerung nachhaltig. Die Entwicklung zu einem Zentrum der Handweberei Württembergs allein konnte die mittelalterlichen Stadtgrenzen nicht brechen. Die Industrialisierung machte lange einen Bogen um die eher abwegige Verkehrslage.

goldene Zeiten?

Südlich der Stadtmitte hat Sindelfingen einen Goldberg. Es gibt auch noch eine Goldmühlenstraße. Allein diese Tatsache kann spätes Goldfieber auslösen. tourbee erhielt dankenderweise einen Verweis auf einen Artikel im Lokalteil der Sindelfinger Zeitung vom 17.02.94. Stubensandstein, der den so genannten Goldberg bedeckt, kann auch Goldspuren aufweisen, meist wenig ergibig. Da sich der Berg in einer Bruchzone befindet, bestand immerhin die Hoffnung auf "edle Gänge". Anfang 18. Jh. wurde ein Schurfschacht angelegt. Zwar wurde Goldglänzendes gefunden, doch ist nicht alles Gold was glänzt. Es blieb ein gewaltiger Schuldenberg, den man lieber vergessen konnte. Wenn nicht hin und wieder ein findiger Jugendforscher danach fragt.

Die wirtschaftliche Lage der Stadt änderte sich deutlich mit Gründung eines Zweigwerkes der Daimler-Motoren-Gesellschaft 1915. Rasch entwickelte sich Sindelfingen zum Industriestandort.

Obwohl auch Sindelfingen durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen wurde, erlebte die Stadt danach eine dynamische Entwicklung bei großzügigem Ausbau der Infrastruktur.

sehenswerte Innenstadt

Nicht auf Anhieb ist eine Mitte zu erfühlen. Allein schon die Klosterstadt war ja lange eine Stadt für sich. Der rasanten Zuwachs an Menschen und Bedarf an Gewerbeflächen stand wohl in keinem güstigen Verhältnis zum relativ kleinen Altstadtkern. Schon das zweite Rathaus (heute Galerie) musste deshalb außerhalb der Kernstadt errichtet werden. Inzwischen verlagerte sich das Zentrum weiter in Richtung neues Rathaus am (neuen) Mark mit ultimativem Marktbrunnen.

[A] Altes Rathaus (1478) mit Salzhaus (1592) verbunden durch einen Torbogen, heute Stadtmuseum und Würbenthaler Heimatstube

[K] Kurze Gasse mit geschlossenen Fachhausreihen, gut bezeichnet
[M] Marktplatz mit "Freundschaftsbrunnen" von Bonifatius Stirnberg. Wieso streichelte der Pegasus mit einem Flügelschalg die Stadt?
[R] Rathaus

[S] Schaffhauser Platz, im Norden Rest der Stadtmauer (1263), die formell vom bereits vorher bestehenden Stiftsbezirk abgrenzte. Sonst ist von der Stadtmauer nicht mehr viel zu sehen. Roter Pflasterbelag auf der Langen Straße bezeichnet die Stellen, an der bis 1835 der Obere Turm stand, andererseits ist das Untere Tor bezeichnet.
Das einst beeindruckend geschlossenen Fachwerkensemble am Platz wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Ein auffälliges sogenanntes Firstsäulenhaus, eine baugeschichtliche Rarität aus dem Mittelalter, wurde hierher versetzt, weil es einem Neubauprojekt im Wege stand.

[T] Theaterkeller

Sehenswürdigkeiten in der Innenstadt von Sindelfingen

[1] Hexensprung - Fachwerkhaus mit schiefwinkligem Anbau in der Abtsgasse (1475) mit typischer Anblattung schräg laufenden Hölzer, überkragenden oberen Stockwerken auf der Giebel- und(!) Traufseite.

[1] Schwätzweiberbrunnen - regt zum Mitschwätzen an
[2] Martinskirche (um 1050 bis 1133) im Stiftsbezirk, Romanik, dreischiffige Pfeilerbasilika mit ursprünglich sparaten Turm.


[3] Webereimuseum und Haus der Handweberei, 1900 als städtische Webschule erbautes Backsteingebäude.
[4] Naherholungsgebiet am Klostersee. Der See war zu keiner Zeit Besitz des Klosters. Er wurde im Mittelalter unter Nutzung des Bachlauefes angelegt und für eine Mühle genutzt, wie sich aus dem damals gebräuchlichen Namen Mühlensee. Über einen parallel zu Seestraße verlaufenden Weg gelangt man nödlich auf dem Gelände der Landesgartenschau 1990 und zum Sommerhofenpark. Erholsames Wandern verspricht auch das Herrenwäldle.
[5] Schule für Musik, Theater und Tanz
[6] Galerie, Stadtbibliothek, ursprünglich als zweites Rathaus (1845), reiner Klassizismaus.
[7] Post

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Stadtteile/Eingemeindung
Orte im Stadtgebiet von Sindelfingen

1971 erfolgte die Eingemeindung von Darmsheim und Maichingen.

neuer Stadtteil Flugfeld:
gemeinsam mit Böblingen erwarb die Stadt 2002 das Gelände des ehemaligen Landesflughafens, das zu einem  innovativen  Wohn-, Dienstleistungs- und Gewerbestandort entwickelt werden soll.