Holl die munter! Die größte Bucht der Nordsee, durch Groden (eingedeichtes Marschland) mit der Zeit zwar etwas verkleinert, ist doch immer noch groß genug für Millionen Wasservögel.

Der Landkreis im Nordwesten von Niedersachsen grenzt im Westen an den Landkreis Wittmund, im Norden und Osten hat er eine Küste entlang der Nordsee Dazwischen grenzt die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven an, im Südengrenzen an die Landkreise Wesermarsch, Ammerland und Leer.
Noch heute eckt man gelegentlich an, wenn man Friesland und Ostfriesland nicht auseinanderhalten kann. Erinnerung an einstige Feindschaften wirken über ein halbes Jahrtausen nach. Heute besitzen Geiselnahmen (1475) kaum noch Erinnerungswert.

Bockhorn

Einheitsgemeinde, staatlich anerkannter Erholungsort mit 9.100 EW (2003) auf 77,15 km² im Süden des Kreises in der Nähe der A 29;
1220 erstmals urkundlich erwähnt als Bochorne (boca - Buche), alo einer von Buchen bewachsenen Landzunge (Horn) oder Hörn). Die Gemeinde besteht aus den Ortschaften Adelheidsgroden, Blauhand, Bockhorn, Bockhornerfeld, Bredehorn, Ellenserdammersiel, Goehlriedenfeld, Grabstede, Jührdenerfeld, Kranenkamp, Osterforde, Petersgroden und Steinhausen.

Sande

Gemeinde mit rund 9.000 EW (2012)
kleinstädtischer Ort mit Backsteinkirche (13. Jh.); Hier wurde erstmals Land eingedeicht, das unter NN. lag - schon 1615, Ellenser Damm. Das eingedeichte Marschland wird hier als Groden bezeichnet. Vom Deich am westlich liegenden Cäciliengroden hat man einen informativen Blick auf den Jadebusen mit seiner vielfältigen Wattlandschaft, Salzwiesen und Vogelwelt;
sehr beachtlich:
- barockes Wasserschloss (um Mitte 17. Jh., Grafen von Wedel) in Gödens
- historischer Ort Neustadtgödens
- Gut Altmarienhausen, Campingplatz, Marienturm, Ems-Jade-Kanal
- Sander See, Freizeitanlage

Wangerland

erholsame Gemeinde mit rund 10.000 EW (2002) auf 176 km² mit den Ortsteilen Minsen-Förrienl, Horumersiel-Schillig (Nordseeheilbad), Hooksiel direkt an der Nordsee. Zentraler Ort ist Hohenkirchen, während Waddewarden dicht an Jever liegt.
Gau Wanga wird bereits zu Zeiten Karls des Großen erwähnt als dieser Willhardus zum Bischof im Gau machte. Siedlungsfunde deuten auf kleinere Ansiedlungen aus dem 2. Jh. v.d.Z. hin.
Hooksiel war zu frühen Zeiten (1583-1870) Vorhafen der Stadt Jever. In Schillig waren während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 (Napoleonschanze) und der zwei Weltkriege Teile der Marine stationiert. Zu diesen Zeiten gab es sogar eine Bahnlinie nach Schillig, welche aber ausschließlich von der Marine betrieben wurde.
Bei Minsen hockt ein Seewiefken. Diese nette Meerjungfrei hat den Ort im 16. Jh. mit einer Sturmflut bestraft. Fischer haben sie - eine Prozessakte lag auch Karin Mennen nicht vor.

Wangerooge

Gemeinde und autofreie Familieninsel mit 1.055 EW (2004) auf fast 8 km² noch wachsendem Land im Wattenmeer.
Anfang 14. Jh. Entdeckung der Insel, die später bevorzugt von Piraten überfallen wurde.
Die östlichste der Ostfriesischen Inseln wandert zwar beständig gen Osten, gehörte historisch gesehen aber nie zu Ostfriesland sondern Friesland. Wie das? Die trennende Goldenen Linie schimmert deutlich im Dämmerschein, wie geübte Augen bei einem Höhenflug feststellen. Jedenfalls ist sie immer noch tief in einem echten Friesenherz verankert.

1804 wurde Wangerooge Kurort.
Das alte Inseldorf wurde allerdings nach einer Sturmflut Mitte 19. Jh. mehrheitlich verlassen. Sie fanden in Neu-Wangerooge (Varel) ein neues Zuhause. Die Bleibenden gründeten ihr neues Dorf im Osten der Insel, der inzwischen zur Inselmitte wurde und zuletzt im Februar 1962 durch eine Sturmflut stark beschädigt wurde. Die Insel wandert weiter Richtung Osten und letzte Reste der einstigen Mitte werden am Weststrand vom Meer umwellt.

Ebenso dramatisch war die Bombardierung der kleinen, stark befestigten Insel im April 1945. In einer Viertelstunde fielen über 6.000 Bomben herab. Heute würde eine reichen. Ist auch nicht gut.

Wangwerooge Westturm © Andre Bonn

sehenswert:

- das Meer mit Ebbe und Flut!
- alter Leuchtturm (1602 erbaut, 39 m), Museum
- neuer Leuchtturm (1932 erbaut, 67 m), Wahrzeichen

- Zedeliusstraße, einzig-artige Einkaufstraße
- Inselbahn, Schmalspur
- Yacht- und Fährhafen im Westen der Insel
- Flugplatz östlich vom Dorf

Vogelschutzgebiet in Lagunenlandschaft

Zetel

Gemeinde mit rund 11.500 EW (2012) in flachem Land, im Nordosten an den Jadebusen reichend;
1423 erste urkundliche Erwähnung als Sethle.
Der ältere Teil des Ortes Zetel liegt auf einem 15m hohen (flutsicheren) Geestrücken, auch Esch genannt, der weiter nach Norden hin ins Marschland mündet. Dieses wurde aber bis zum Bau des Ellenser Dammes (1615) häufig verwüstet.
Im Osten und Westen der Gemeinde gibt es größere Waldgebiete. Der südwestliche Teil wird von Mooren dominiert.
Ellens z.B. war im ausgehenden Mittelalter nach heftigen Wassereinbrüchen teilweise eine Insel. Nördlich des Zeteler Eschs erstreckte sich damals das sogenannte Schwarze Brack, ein dauerhaft überschwemmtes Marschgebiet, das erst durch Eindeichung wieder zu Festland wurde.

wirtschaftlich:
1894 erfolgte der Anschluss an das Eisenbahnnetz, 1954 der Abschluss.
Klinkerindustrie (Lehmböden), Webereie und Textilfabriken bis in die 1980er Jahre
natürlich:
Neuenburger Wald, urtümliche 22 ha, vorwieged mit altem Eichen- und Buchenbestand
Ortschaften/Siedlungen:
1972 wurden die Gemeinden Zetel und Neuenburg zusammengelegt, seitdem gehören zusammen:
Astede, Astederfeld, Bohlenberge, Bohlenbergerfeld, Collstede, Driefel, Ellens, Fuhrenkamp, Neuenburg, Neuenburgerfeld, Ruttel, Ruttelerfeld, Spolsen und Zetel.

Städte und Gemeinden im Kreis / EW geschätzt

Bockhorn Jever Sande Schortens Varel Wangerland Wangerooge Wilhelmshaven (kreisfrei) Zetel