friesisch herb wie das Land

an der größten Bucht der Nordsee, durch Groden (eingedeichtes Marschland) mit der Zeit etwas verkleinert, doch immer noch groß genug für Millionen Wasservögel.

Der Landkreis im Nordwesten von Niedersachsen grenzt im Westen an den Landkreis Wittmund, im Norden und Osten hat er eine Küste entlang der Nordsee (dazwischen grenzt die kreisfreie Stadt Wilhelmshaven an), im Süden an die Landkreise Wesermarsch, Ammerland und Leer.

Bockhorn

Einheitsgemeinde, staatlich anerkannter Erholungsort mit 9.100 EW (2003) auf 77,15 km² im Süden des Kreises in der Nähe der A 29;
1220 erstmals urkundlich erwähnt als Bochorne (boca - Buche), alo einer von Buchen bewachsenen Landzunge (Horn) oder Hörn). Die Gemeinde besteht aus den Ortschaften Adelheidsgroden, Blauhand, Bockhorn, Bockhornerfeld, Bredehorn, Ellenserdammersiel, Goehlriedenfeld, Grabstede, Jührdenerfeld, Kranenkamp, Osterforde, Petersgroden und Steinhausen.

Sande

Gemeinde mit rund 9.000 EW (2012)
kleinstädtischer Ort mit Backsteinkirche (13. Jh.); Hier wurde erstmals Land eingedeicht, das unter NN. lag - schon 1615, Ellenser Damm. Das eingedeichte Marschland wird hier als Groden bezeichnet. Vom Deich am westlich liegenden Cäciliengroden hat man einen informativen Blick auf den Jadebusen mit seiner vielfältigen Wattlandschaft, Salzwiesen und Vogelwelt;
sehr beachtlich:
barockes Wasserschloss (um Mitte 17. Jh., Grafen von Wedel) in Gödens

Schortens

Stadt mit rund 20.200 EW (2012) auf 113,53 km², auf einem Geestrücken - größte Stadt im Landkreis
2004 erfolgte die Verleihung der Stadtrechte.
südwestlich der junge Knyhauser Wald mit schönen Wanderwegen. Das Waldstück wurde erst Ende 19. Jh. angelegt, um die Wanderdünen auf der Geest zu zähmen. und klimatisch begünstigten Lage am Jadebusen - gemäßigtes Seeklima! Längst hat sich die Stadt auch ins niedrigere durch Eindeichungen gewonnene Land geschoben. Südender Leke und Nordender Leke umfließen und entwässern Varel über den Hafen direkt in den Jadebusen.
1123 erstmals urkundlich erwähnt als Farle; war vorerst Kultstätte (heiliger Quelle) im friesischen Stammesgebiet, bis es gegen Mitte 15. Jh. unter den Einfluss des oldenburgischen Grafenhauses geriet, ab Mitte des 17. Jh. reichsgräfliche Herrschaft unter oldenburgischer Oberhoheit, unterbrochen durch französischen Besatzung Anfang 19. Jh.
Der Flecken Varel mit den beiden Bauernschaften Nordende und Südende entwickelten sich zu einer Kleinstadt (1856) mit der Landgemeinde Varel.
Nach der November-Revolution 1918 herrschte hier bis Februar 1919 ein Arbeiter- und Soldatenrat, aber auch Anfang 1931 recht früh einen nationalsozialistisch dominierten Stadtrat. Seit 1986 selbständige Stadt.
natürlich:
Liebeshügel am heiligen(?) Vareler Wald

Wangerland

erholsame Gemeinde mit rund 10.000 EW (2002) auf 176 km² mit den Ortsteilen Minsen-Förrienl, Horumersiel-Schillig (Nordseeheilbad), Hooksiel direkt an der Nordsee. Zentraler Ort ist Hohenkirchen, während Waddewarden dicht an Jever liegt.
Gau Wanga wird bereits zu Zeiten Karls des Großen erwähnt, als dieser Willhardus zum Bischof im Gau machte. Siedlungsfunde deuten auf kleinere Ansiedlungen aus dem 2. Jh. v.d.Z. hin.
Hooksiel war zu frühen Zeiten (1583-1870) Vorhafen der Stadt Jever. In Schillig waren während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 (Napoleonschanze) und der zwei Weltkriege Teile der Marine stationiert. Zu diesen Zeiten gab es sogar eine Bahnlinie nach Schillig, welche aber ausschließlich von der Marine betrieben wurde.

Wangerooge

Gemeinde und autofreie Familieninsel mit 1.055 EW (2004) auf fast 8 km² noch wachsendem Land im Wattenmeer.
Anfang 14. Jh. Entdeckung der Insel, die später bevorzugt von Piraten überfallen wurde.
Die östlichste der Ostfriesischen Inseln wandert zwar beständig gen Osten, gehörte historisch gesehen aber nie zu Ostfriesland sondern Friesland. Wie das? Die trennende Goldenen Linie schimmert deutlich im Dämmerschein, wie geübte Augen bei einem Höhenflug feststellen. Jedenfalls ist sie immer noch tief in einem echten Friesenherz verankert.

1804 wurde Wangerooge Kurort.
Das alte Inseldorf wurde allerdings nach einer Sturmflut Mitte 19. Jh. mehrheitlich verlassen. Sie fanden in Neu-Wangerooge (Varel) ein neues Zuhause. Die Bleibenden gründeten ihr neues Dorf im Osten der Insel, der inzwischen zur Inselmitte wurde und zuletzt im Februar 1962 durch eine Sturmflut stark beschädigt wurde. Die Insel wandert weiter Richtung Osten und letzte Reste der einstigen Mitte werden am Weststrand vom Meer umwellt.

Ebenso dramatisch war die Bombardierung der kleinen, stark befestigten Insel im April 1945. In einer Viertelstunde fielen über 6.000 Bomben herab. Heute würde eine reichen. Ist auch nicht gut.

Wangwerooge Westturm © Andre Bonn

sehenswert:

- das Meer mit Ebbe und Flut!
- alter Leuchtturm (1602 erbaut, 39 m), Museum
- neuer Leuchtturm (1932 erbaut, 67 m), Wahrzeichen

- Zedeliusstraße, einzig-artige Einkaufstraße
- Inselbahn, Schmalspur
- Yacht- und Fährhafen im Westen der Insel
- Flugplatz östlich vom Dorf

Vogelschutzgebiet in Lagunenlandschaft

Zetel

Gemeinde mit rund 11.500 EW (2012) in flachem Land, im Nordosten an den Jadebusen reichend;
1423 erste urkundliche Erwähnung als Sethle, St.-Martins-Kirche (1249) und Vorgängerkapelle; weit davor die Chauken.
Der ältere Teil des Ortes Zetel liegt auf einem 15m hohen (flutsicheren) Geestrücken, auch Esch genannt, der weiter nach Norden hin ins Marschland mündet. Dieses wurde aber bis zum Bau des Ellenser Dammes (1615) häufig verwüstet, Ellens wurde gar davor zur Insel. Für den Dammbau gaben allerdings eher strategische Gründe den Ausschlag.
Im Osten und Westen der Gemeinde gibt es größere Waldgebiete. Der südwestliche Teil wird von Mooren dominiert.
Ellens z.B. war im ausgehenden Mittelalter nach heftigen Wassereinbrüchen teilweise eine Insel. Nördlich des Zeteler Eschs erstreckte sich damals das sogenannte Schwarze Brack, ein dauerhaft überschwemmtes Marschgebiet, das erst durch Eindeichung wieder zu Festland wurde.
Der Dammbau war hauptsächlich strategisch motiviert. Das zum Oldenburger Land gehörende Jeverland konnte wegen der Wassereinbrüche nur noch mit Schiffen oder über das verfeindete Ostfriesland erreicht werden - ein strategischer Nachteil, da man ja mit dem benachbarten Ostfriesland des öfteren Krieg führte. So fiel 1475 der Sohn des Oldenburger Grafen in die Hände der Ostfriesen und kam erst sechs Jahre später frei, als Zetel an Ostfriesland abgetreten wurde. Erst durch einen Friedensvertrag aus dem Jahre 1517 kam Zetel endgültig zu Oldenburg.
Noch heute eckt man gelegentlich an, wenn man Friesland und Ostfriesland nicht auseinanderhalten kann.
Industrialisierung:
Viel kam und ging mit der Bahn; 1894 Anschluss an das Eisenbahnnetz über Varel, 1896 auch Neuenburg, 1954 Strecke stillgelegt; ausgeprägte Klinkerindustrie (Lehmböden), Webereien und Textilfabriken bis in die 80er Jahre des 20.Jh.
natürlich:
Neuenburger Wald, urtümlich Wald von über 22 ha, vorwieged mit altem Eichen- und Buchenbestand
Ortschaften/Siedlungen:
1972 wurden die Gemeinden Zetel und Neuenburg zusammengelegt, seitdem gehören zusammen:
Astede, Astederfeld, Bohlenberge, Bohlenbergerfeld, Collstede, Driefel, Ellens, Fuhrenkamp, Neuenburg, Neuenburgerfeld, Ruttel, Ruttelerfeld, Spolsen und Zetel.

Städte und Gemeinden im Kreis / EW geschätzt
Bockhorn Jever Sande Schortens Varel Wangerland Wangerooge Wilhelmshaven (kreisfrei) Zetel