Potsdam - Hauptstadt des Bundeslandes Brandenburg

Blick auf Potsdam © schaltwerkPotsdam Spree Glienicker Brücke © schaltwerk

Blick auf Potsdam über breites Wasser. An enger Stelle führt die legendäre Glienicker Brücke nach Berlin West.

145.000 EW (2004) auf 187,28 km² bei 35 m ü. NN südwestlich von Berlin, umgeben von zahlreichen Seen, Wäldern und welligem Gelände mit Höhenketten. Die Havel und die Havelseen umschließen die Stadt als eine Art Insel. Durch ihre Schlösser und Gärten und durch das Potsdamer Abkommen 1945 wurde sie weltbekannt.

993 erste urkundliche Erwähnung der slawischen Siedlung "Poztupimi" durch König Otto III.; seit dem 14. Jh. urkundlich als Stadt erwähnt. Seine Einwohner ernährten sich von Fischfang und Ackerbau. 1536 wurde die mittelalterliche Stadt durch eine Feuersbrunst heimgesucht. 35 Jahre danach standen wieder 192 Häuser mit etwa 2000 Einwohnern in der Stadt. Die seit 1415 in Brandenburg herrschenden Hohenzollern machten Potsdam nach 1660 zur Residenz.

1664 begann der barocke Schlossbau [10] bei Konzentration künstlerischen Potentials - Memhard, Nering und Jean de Bodt, A. Schlüter (als "Innenarchitekt"). Mit Regierungsantritt Friedrich Wilhelms l. 1713 entwickelte sich Potsdam zur Garnisonstadt für die langen Kerls" der Garde des Soldatenkönigs". Auf 17.000 EW kamen 1769 etwa 8.000 Soldaten. Und ausreichend Hofstaat.

Potsdam, Hölländisches Viertel in Potsdam © elxeneize © Viola F. Holtz

Für holländische Zuwanderer entstand ein Holländisches Viertel mit roten Ziegelbauten unter Leitung von J. Boumann. Der legte auch den Bassinteich mit der Gloriette an und führte nach Entwürfen Knobelsdorffs u.a. den Bau der Französischen Kirche aus.


Nach den Feldzügen Friedrichs II. und insbesondere nach dem Siebenjährigen Krieg waren Preußen und seine Residenzstadt völlig verarmt. Er war es auch, der mit den Hohenzollern zum Protestantismus übertrat und Glaubensflüchtlinge aufnahm: Sein Slogan: Jeder nach seiner Facon. Nach 1751 kamen u.a. vertriebene böhmische Weber nach Potsdam, wo sie in der Webersiedlung Nowawes, dem heutigen Babelsberg, in Lebensverhältnisse gerieten, die einer Leibeigenschaft gleich kamen.
Sanssouci

Potsdam, Schloss Sanssouci Mit Thronfolge Friedrichs II. 1740 bestimmte der Architekt G. W. von Knobelsdorff (1699-1753) das Baugeschehen in Potsdam. Das Stadtschloss [10] wurde umgebaut, weitere Bauwerke im neuen Schlosspark (1744, 290 ha) zugefügt:
Orangerieschloss, historischer Mühle, Neuen Kammern, Chinesisches Teehaus, Belvedere und Drachenhaus auf dem Klausberg, Neues Palais (1763/69) mit Schlosstheater, Antiken- und Freundschaftstempel, nicht zu vergessen die Römischen Bäder, Schloss Charlottenhof, die Friedenskirche. Mehr als die Hälfte der Baukosten seiner 46jährigen Regierungszeit gab dieser zweite Friedrich für die Errichtung von Schlössern aus.

Es wurden aber auch Bürgerhäuser und andere Potsdamer Bauten in dieser Zeit errichtet, deren unverwechselbare historische Bausubstanz heute mit zum einmaligen Reiz der Stadt beitragen.

Wenige Tage nach der Entscheidungsschlacht von Jena und Auerstädt 1806 im Krieg Napoleons gegen Preußen wurde Potsdam von französischen Truppen besetzt und war bis 1808 französisches "Hauptkavalleriedepot". Seit 1810 war die Stadt wieder Garnison des von Scharnhorst und Gneisenau reformierten Heeres. Veränderungen in Richtung Selbstverwaltung wurden durch die Steinschen Reformen erreicht. Potsdamer wie Eleonora Prohaska und General York taten sich bei der Volkserhebung 1813 hervor. Am 3. März des gleichen Jahres befreiten russische Kosaken die Stadt.

Auch in Potsdam wurde industrialisiert. Beachtlichen Lokomotivbau gab es seit 1889. Gab es.
1912 erhielt der Sozialdemokrat Karl Liebknecht die erforderliche Mehrheit als Kandidat für den Reichstag im so genannten Kaiserwahlkreis.

In der Garnisonkirche reichten sich am 21. März 1933 Hitler und Hindenburg die Hand. Ein bauwirtschaftlich bedeutsames Ergebnis war der daraus folgende hohe Bedarf an Aufbauleistungen nach dem Krieg. Dabei wurde versucht, die historische Bausubstanz in das neu entstehende Stadtzentrum einzubeziehen. Einige wieder hergestellten Barockfassaden der Bürgerhäuser erinnern an den Charakter der Stadt vor der Zerstörung, auch das wieder hergestellte Alte Rathaus und das Knobelsdorffhaus am Alten Markt.

Die meisten Häuser in der als Fußgängerboulevard angelegten Geschäftsstraße stammen von 1735/38. Über 90 Häuser wurden 1975/78 unter Erhaltung der historisch wertvollen Architektur rekonstruiert. An der bei Kriegsende 1945 gesprengten, jedoch 1958/61 neu erbauten 33m breiten, über die Havel führenden Langen Brücke entstand das damalige Interhotel Potsdam (1966/69) mit 16 Stockwerken. An der Langen Brücke liegt zwischen beiden Havelarmen die Freundschaftsinsel. 1953/54 wurde hier von Karl Poerster ein Schau- und Lehrgarten angelegt mit Plastiken alter und zeitgenössischer Bildhauer.
Neben den wieder hergestellten historischen Bauten erhielt Potsdam zahlreiche neue Wohn- und Gesellschaftsbauten, so im Zentrum Ost, Wohngebiet Potsdam West. Im Zentrum entstanden bis 1980 rund 1500 Neubauwohnungen.
Im Südwesten entstand 1969 ein neuer Hauptbahnhof mit einem über den Templiner See führenden 1,3 km langen Eisenbahndamm und 140 m langer Brücke.

Als größtes Ensemble der deutschen Welterbestätten fand Potsdam Aufnahme in die UNESCO-Welterbe-Liste.

Universitätsstadt

Die Uni Potsdam wurde 1991 als Universität des Landes Brandenburg gegründet. Vorgängereinrichtung war die 1948 gegründete Brandenburgische Landeshochschule Karl Liebknecht, die Pädagogische Hochschule der DDR.

wichtig:
Fachhochschule Potsdam
Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik
Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP)
Max-Planck-Institute für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut), für Kolloid- und Grenzflächenforschung sowie für molekulare Pflanzenphysiologie
Geoforschungszentrum Potsdam (Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft)

erbaulich Innenstadt
Potsdams Brandenburger Tor © Katja Xenikis

Stadttore:
[B] Brandenburger Tor (1755/1770) in Form eines römischen Triumphbogens mit deutlichem Bezug zum Schloss.
[N] Nauener Tor (1735/1755), frühe englischer Neugotik
[J] Jägertor (1755) geleitet in die Jägervorstadt


[A] Altes Rathaus (1753/55) am Alten Markt, erpuzzelt von Jan Bouman und Carl Ludwig Hildebrant aus einem Entwurf des Italieners Andrea Palladio (ursprünglich für den Palazzo Angarano in Vicenza), dem Dach des Pantheons in Rom und der vergoldeten Atlasgestalt vom Amsterdamer Rathausturm. Markant die sieben Fensterachsen am zweieinhalbgeschossigen Bau, eingeschlossen durch Säulen mit korinthischen Kapitellen. Über dem Hauptgesims Skulpturen bürgerlicher Tugenden - Freiheit, Gleichheit...? Anfang 20. Jh. wurde das Rathaus unter Einbeziehung der Bäckerei Windelband und das Knobelsdorffhauses erweitert. Nach dem Krieg war diese Lösung wieder hinfällig.

[1] Nikolaikirche (1829/1849), bedeutender Klassizismus, Entwurf von Schinkel, Ausführung Persius/Stüler), Sicherungsarbeiten (1947/50), neue Kuppel (1955/60)

- Knobelsdorffhaus (1750), Wohnhaus von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. An der Schauseite am Obergeschoss ist ein schmiedeeiserner Balkon vorgelagert, auf dem Dach stehen Flora, Pomona und Vertumnus, angefertigt von Peter Benckert.
- Fachhochschule Potsdam
- Hans Otto Theater.
- Platzmitte ein Obelisk und das 2002 eingeweihte Fortunaportal

[2] HBPG am Neuen Mark, dem einzigen Platz der historischen Stadtmitte, der den Krieg fast unbeschadet überstand, quadratisch und reichlich barock (18. Jh.) umschmückt von Bürgerhäusern und der alten Ratswaage.

Einen brillianten Schliff erhielt die Westseite - die prächtige frühklassizistische Fassade des königlichen Kutsch- und Marstalls. Heute wird das Gebäude typisch deutsch einfach als HBPG bezeichnet.
Potsdam Innennstadt
Stadtkanal - wegen des hohen Grundwasserstandes innerhalb des Stadtgebietes 1722 in Anlehnung niederländische Grachten künstlich angelegter, der Entwässerung dienender Arm der Havel. Zwischen dem Ende der 1960er und dem Ende der 1990er war er verschüttet und überbaut worden. Aber zu jedem Für gibt es ein Wider. 1999 wurde mit der erneuten Freilegung des Kanals begonnen. Natürlich zählt dieses Stück von den Machern nun zu den Sehenswürdigkeiten von Potsdam.
Freundschaftsinsel und Neuer Lustgarten zwischen Neuem Bahnhof und neuem Markt - einfach sehr schön.

[3] Hiller-Brandtsche Häuser (1769) Potsdam-Museum
[4] Maschinenhaus (1841-42) an der Neustädter Havelbucht mit Pumpwerk für die Fontänen im Park. Im Stil einer Moschee mit Minarett und am Wasser gelegen, fällt es überraschend aus dem Rahmen.

Potsdam Alexandrowa Russisches Blockhaus © philipus

[5] Kolonie Alexandrowka, 1826-27 nach Entwurf von Lenné errichtete Anlage in Art russischer Holzblockhäuser


Potsdam Alexander-Neweski-Gedächtniskirche © Frank

[6] russisch-orthodoxe Kirche des Heiligen Alexander Newski (1829)


[7] Belvedere auf dem Pfingstberg (1849-52/1860-63), Aussichtspunkt in Form einer monumentalen Doppelturmanlage mit Säulengängen und Landschaftsgarten von Lenné
[8] Katholische Pfarrkirche St. Peter & Paul (1867-70)
[9] Französische Kirche (1751-53) nach Plänen von Knobelsdorff für die Hugenottengemeinde errichtet

[11] Krongut Bromstedt
[12] Neuer Gartennah am Heiligen See mit Schloss Cecilienhof (1913/17) Gedenkstätte der Potsdamer Konferenz 1945, Marmorpalais (1787/91), Orangerie, Pyramide, Gotische Bibliothek und Meierei

Babelsberg
Potsdam Filmmuseum © ArTo

[13] Park Babelsberg mit Schloss Babelsberg (1835/1849) im Stil englischer Landsitze, Flatowturm ( 1855/56), Aussicht auf die Potsdamer Kulturlandschaft, Villenkolonie Neu Babelsberg

Babelsberg ist als traditionsreiche Filmstadt weltbekannt. Die Filmstudios produzieren international. Die Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf (HFF Babelsberg) wurde 1954 als Deutsche Hochschule für Filmkunst gegründet und trägt seit 1985 diesen Namen.


Einsteinturm
auf dem Telegrafenberg (1921/23), genial zweckorientiert aus Beton mit Ziegelkern modellierte "elastische Kontinuität" zwischen Jugendstil und Expressionismus, Architekt Erich Mendelsohn, unter enger Abstimmung zwischen Albert Einstein und dem Astronom Erwin Finlay.

Stadtteile/Eingemeindung
Potsdam Stadtteile

1935: Bornim, Bornstedt, Eiche, Nedlitz
1936: Babelsberg (mit Nowawes und Neuendorf sowie Gebietsteilen von Neubabelsberg und Klein-Glienicke), Schlänitzsee und Teile weiterer Gemeinden

1950: Wilhelmshorst;
1993: Eiche, Grube mit Schlänitzsee und Nattwerder, viele Restgemeinden, somit auch Fahrland, Golm, Glienicke (Schloss und Park, Pfaueninsel), Marquardt (Schloss um 1900 mit Landschaftspark), Neu Fahrland, Satzkorn, Uetz-Paaren, Sacrow (schloss), Geltow, Wildpark-West, Drewitz, Bergholz-Rehbrücke und Krampnitz

dazu natürlich: Am Stern, Berliner Vorstadt, Brandenburger Vorstadt, Forst, Potsdam Süd, Industriegelände, Innenstadt, Jägervorstadt, Nauener Vorstadt, Nedlitz, Potsdam West, Schlaatz, Teltower Vorstadt, Templiner Vorstadt, Uetz-Paaren, Waldstadt, Zentrum Ost