Frankenthal - Tradition und Moderne im Verdichtungsraum

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kreisfreie Stadt mit rund 47.500 EW (2003) auf 43,78 km² in 96 m ü. NN. im Rhein-Neckar-Dreieck; bedeutender Wirtschaftsraum mit vorrangig Maschinenbau, Kunststoff- und Lederindustrie, Getränkeindustrie.


geschichtlich

Im späten 5. Jh. erfolgte die Gründung des Ortes durch Franken.
772 wurde Franconodal erstmals durch das Klosters Lorsch beurkundet. Damals lag die Kernsiedlung noch direkt am Rhein, der im 9. Jh. weiter östlich seinen neuen Lauf nahm.

Mit Gründung eines Augustiner-Chorherrenstifts (1119) durch den Wormser Adligen Erkenbert und eines Frauenstifts (1125) durch seine Gattin Richlindis brach eine Zeit wirtschaftlicher und kultureller Blüte der Region an. Das Chorherrenstift wurde 1562 durch Kurfürst Friedrich III. aufgehoben und flämischen Glaubensflüchtlingen (Calvinisten) zum Wohnen zugewiesen. Unter den neuen Bewohnern befanden sich zahlreiche Maler, Gold- und Silberschmiede, Gobelinwirker, Textilfabrikanten und Kaufleute.

1577 erhielt die Siedlung Stadtrechte und wurde nachfolgend zur stärksten linksrheinischen Festung der Kurpfalz ausgebaut. Somit wurde die Stadt zugleich strategisches Angriffsziel - im 30jährige Krieg wie auch zur Pfalzverwüstung, bei der 1689 Frankenthal von französischen Truppen in Brand gesteckt und total zerstört wurde. Eine Stadtbefestigung erfolgte erst 1718 unter Kurfürst Karl III. Philipp.

In den 1760er Jahren, nachdem Kurfürst Carl Theodor Frankenthal zu einem seiner "Fabriquen"-Städte der Kurpfalz machte, staatliche Wirtschaftsförderung betrieb und zahlreiche Manufakturen ansiedelte, erholte sich die Stadt vom drohenden Untergang. Vorrangig wurde produziert für eine wohlhabendere Käuferschicht. Mit dem Kanal zum Rhein wurde 1781 der Anschluss an die wichtige Wasserstraße Rhein wieder hergestellt.

1798 bis 1815 war Frankenthal Kantonshauptstadt des Département Mont Tonnerre unter französischer Verwaltung.
Ab 1815 gehörte die Pfalz wieder zu Bayern. Frankenthal nahm Fahrt auf. In Synergie zur traditionellen Glockengießerei kam es zu zahlreichen Spezialisierungen und Wachstum der Frankenthaler Industrie - Pumpen, Turbinenkessel, Druckmaschinen und Kesselanlagen. Um 1900 war die Stadt ein Zentrum der metallverarbeitenden Industrie. Sie sprengte ihre Mauern, benötigte und erhielt neue Wohnquartiere, wuchs auf den Rhein zu.

Wiederaufbau und Umbau

Ein Luftangriff zerstörte 1943 90%igen der Innenstadt. Aufgebaut wurde die Stadt in typischer Nachkriegsarchitektur. Der Kanal wurde verschüttet und das ehemal barocke Landstädtchen wuchs zur modernen Industriestadt.

sehenswerte Innenstadt

[R] Rathausplatz mit Rathaus

[1] Pfarrkirche der Dreifaltigkeit am Marktplatz
[2] Ruine der ehemaligen Basilika St. Maria Magdalena des 1119 vom Wormser Adligen Erkenbert gegründeten Chorherrenstiftes. Sie ist das älteste Baudenkmal der Stadt. Erhalten blieb hauptsächlich die Westfassade mit Säulenstufenportal und die nördliche Seitenschiffswand.

Sehenswertes und Markantes in der Innenstadt von Frankenthal[3] Zwölf-Apostel-Kirche (1820/23, Planung: Philipp Mattlener), im Zweiten Weltkrieg zerstört, mit neuklassizistischem Innenraum und veränderten Turmabschluss wieder aufgebaut.

[4] Erkenbert-Museum, Stadtgeschichte, Kunst der um 1600 aufgenommenen Glaubensflüchtlinge. Maler wie Gillis van Coninxloo, Pieter Schoubroeck, Antonie Mirou waren Wegbereiter niederländischer Landschaftsmalei.
Auch Erzeugnisse der Frankenthaler Porzellanmanufaktur (1755 bis 1800) sind ausgestellt.

[5] Forthuberhaus, August-Bebel-Straße 25, (1765) ältestes noch erhaltene Wohnhaus der Stadt, eingeschossig, gegliederter Sandstein, Mansarddach

[6] Wormser Tor (1770/72), Sandsteinbau in Form eines Triumphbogens als Teil der ehemaligen barocken Stadtummauerung. Diese ist bis auf einen kleinen Rest an der Grünanlage des ehemaligen Hafenbereichs [8} und dem Speyerer Tor [9] völlig verschwunden.

[7] Pfarrkirche St. Ludwig Wormser Straße, (1934/36 , Planung: Architekt Albert Boßle),. dreischiffige Basilika, eingebunden in die historische Häuserzeile (um 1900)

[8] Grünanlage am ehem. Kanalhafen, Freibad, Frankenthaler Hallenbad;
Der Kanal (1772/81) mit Hafen verlor mit dem Bau der Eisenbahn an Bedeutung. 1955 schließlich wurde er zugeschüttet. Die ins Hafenbecken führenden Treppen erinnern noch daran, auch eine Stiftungstafel und eine Plastik (Treidler, Erich Sauer).

[9] Speyerer Tor (1772/73), gerahmt von mit Löwen besetzten Doppelsäulen, nach Plänen des Mannheimer Architekten Nicolas de Pigage;
südlich davon am Stephan-Cosacchi-Platz:
Verwaltung der ehemaligen Frankenthaler Zuckerfabrik,(um 1890, Umbau 1910/11), zweigeschossiger Langbau mit Portal und Freitreppe, heute Musikschule und VHS.
gegenüber:
Stadthalle/CongressForum (1990, Architekt: Freiherr von Branca)
Parsevalhaus

persönlich

August von Parseval -Haus Speyerer Straße 50. Hiet wurde 1861 der Konstrukteur unstarrer Luftschiffe "Parsevale", die in Bitterfeld gebaut wurden. Er starb 1942 in Berlin.

Philipp Becker und Georg Jacob Stockinger waren führende frankenthaler Köpfe der Märzrevolution 1848/49.

Stadtteile/Eingemeindung

1919 Flomersheim, Mörsch und Studernheim (Dörfer)
1969 Eppstein

Die ursprünglich fränkische Siedlungen haben bis in die Hauptstraßen ihren ländlichen Charakter bewahrt. In Mörsch, Ahornstraße 4 steht noch ein typische Rheindorfhaus (frühes 19. Jh.). Die Pfarrkirche St. Cyriakus in Eppstein (1764/65) zeigt sich in schlichtem Barock, der Turm ist allerding etwas älter.